Mit Mitbewohnern zu wohnen ist gut für den Geldbeutel, kann aber schlecht für Freundschaften sein. Der Hauptgrund? Geldstreitigkeiten. Wer zahlt was, wer schuldet wem, und die ewige Frage: "Ist das wirklich fair?"
Es gibt keinen universell "richtigen" Weg, Ausgaben aufzuteilen. Was funktioniert, hängt von eurer spezifischen Situation ab: Einkommensniveaus, Zimmergroessen, Lifestyle-Unterschiede. Hier sind drei Strategien, wann du welche nutzen solltest, und wie du sie umsetzt, ohne Freunde zu verlieren.
Strategie 1: Die Gleichverteilung (50/50 oder 33/33/33)
Der einfachste Ansatz: Teile alles gleichmäßig durch die Anzahl der Mitbewohner. Miete ist 1.200 EUR, drei Personen, jeder zahlt 400 EUR. Genauso bei Nebenkosten, Internet und gemeinsamen Lebensmitteln.
Wann es funktioniert
- Alle haben ähnliche Einkommensniveaus
- Zimmer sind ungefähr gleich groß und qualitativ
- Lebensstile sind ähnlich (alle oft zuhause oder alle selten)
- Ihr schaetzt Einfachheit über perfekte Fairness
Wann es scheitert
- Eine Person hat das Hauptschlafzimmer mit eigenem Bad, eine andere ein winziges Zimmer
- Deutliche Einkommensunterschiede (Student lebt mit Berufstätigen)
- Eine Person arbeitet von zuhause (nutzt mehr Strom/Heizung)
- Unterschiedliche Essgewohnheiten (Veganer vs. Fleischesser teilen Lebensmittel)
Strategie 2: Einkommensbasierte Aufteilung
Jede Person zahlt proportional zu ihrem Einkommen. Wer mehr verdient, zahlt mehr. Das fühlt sich fair an, wenn es ein großes Einkommensgefaelle gibt.
Die Formel
Dein Anteil = (Dein Einkommen / Gesamteinkommen) x Gesamtausgaben
Echtes Beispiel
Drei Mitbewohner mit monatlichem Nettoeinkommen:
- Anna: 3.000 EUR
- Ben: 2.000 EUR
- Chris: 1.000 EUR (Student)
Gesamteinkommen: 6.000 EUR
Gemeinsame Ausgaben: 1.500 EUR/Monat
Anna zahlt: (3.000 / 6.000) x 1.500 = 750 EUR (50%)
Ben zahlt: (2.000 / 6.000) x 1.500 = 500 EUR (33%)
Chris zahlt: (1.000 / 6.000) x 1.500 = 250 EUR (17%)
Strategie 3: Nutzungsbasierte Aufteilung
Der präziseste, aber komplexeste Ansatz: Du zahlst für das, was du nutzt. Größeres Zimmer? Mehr Miete. Arbeitest von zuhause? Mehr Nebenkosten. Isst mehr? Zahlst dafür.
Miete nach Zimmergroesse berechnen
Deine Miete = (Deine Zimmer-qm / Gesamt-Schlafzimmer-qm) x Gesamtmiete
Echtes Beispiel
Wohnung: 90 qm gesamt, 1.200 EUR Miete
Schlafzimmer: 20 qm + 15 qm + 10 qm = 45 qm Schlafzimmer
Zimmer A (20 qm): (20/45) x 1.200 = 533 EUR
Zimmer B (15 qm): (15/45) x 1.200 = 400 EUR
Zimmer C (10 qm): (10/45) x 1.200 = 267 EUR
Optional: Zimmerqualitaet berücksichtigen
- Eigenes Bad: +10-15%
- Balkonzugang: +5-10%
- Straßenlärm / kein Tageslicht: -10%
- Durchgangszimmer (keine Privatsphäre): -15%
Welche Strategie solltest du wählen?
| Situation | Empfohlene Strategie |
|---|---|
| Ähnliche Zimmer, ähnliches Einkommen | Gleichverteilung |
| Grosses Einkommensgefaelle, ähnliche Zimmer | Einkommensbasiert |
| Unterschiedliche Zimmergroessen, ähnliches Einkommen | Nutzungsbasiert (für Miete) |
| Alles unterschiedlich | Hybrid: Miete nach Zimmer, Rest gleich oder einkommensbasiert |
So klappt es: Praktische Tipps
1. Vor dem Einzug einigen
Der schlechteste Zeitpunkt, um über Geld zu reden, ist nachdem sich Frust aufgebaut hat. Klärt Erwartungen am ersten Tag (oder davor).
2. Schriftlich festhalten
Kein Rechtsvertrag, nur ein gemeinsames Dokument, dem alle zustimmen. "Miete: Zimmer A zahlt X, Zimmer B zahlt Y. Lebensmittel: Teilen, wer kocht."
3. Regelmäßig überpruefen
Das Leben ändert sich. Jobs aendern sich. Macht alle 6 Monate einen Check: "Funktioniert das noch für alle?"
4. Ein gemeinsames Tracking-Tool nutzen
Tabellen werden chaotisch. PayPal-Anfragen fühlen sich transaktional an. Apps wie GoodShare lassen alle Ausgaben loggen und sehen, wer wem was schuldet - ohne peinliche Gespräche.
Das Fazit
Es gibt kein perfektes System. Was zählt, ist dass alle zustimmen, dass es fair ist, und sich daran halten. Der beste Ansatz ist der, den eure spezifische Gruppe durchhalten kann.
"Fairness geht nicht um perfekte Mathematik. Es geht darum, dass sich jeder respektiert fühlt."
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