Die Waschmaschine geht kaputt. Jemand verliert den Job. Eine unerwartete Arztrechnung flattert ins Haus. Das Leben passiert. Und wenn es passiert, ist ein Notgroschen der Unterschied zwischen einem stressigen Monat und einer finanziellen Katastrophe.
Für Paare ist der Aufbau eines Notgroschens gleichzeitig einfacher und komplizierter als alleine. Einfacher, weil zwei Einkommen beitragen können. Komplizierter, weil ihr euch einigen müsst, was als Notfall zählt, wie viel ihr sparen wollt, und wer entscheidet, wann das Geld verwendet wird.
Hier ist ein vollständiger Leitfaden zum gemeinsamen Aufbau eures Notgroschens.
Warum Paare einen Notgroschen brauchen
Wenn du Single bist, betreffen finanzielle Notfälle nur dich. In einer Partnerschaft betreffen sie euch beide - auch wenn der Notfall technisch gesehen nur einem "gehört".
Ein Notgroschen schützt eure Beziehung vor dem Stress einer Finanzkrise. Ohne ihn:
- Werden kleine Notfälle zu großen Streitereien ("Warum haben wir dafür nicht gespart?")
- Müsst ihr vielleicht Geld von der Familie leihen, was andere Beziehungen belastet
- Spiralen Kreditkartenschulden und schaffen langfristige Probleme aus kurzfristigen Krisen
- Fühlt sich ein Partner vielleicht gezwungen, den anderen um "Erlaubnis" zu bitten, seinen eigenen Notfall zu bewältigen
Mit einem Notgroschen könnt ihr den Überraschungen des Lebens als Team begegnen, statt sie in Beziehungsstress zu verwandeln.
Wie viel solltet ihr sparen?
Der klassische Rat lautet 3-6 Monatsausgaben. Aber lass uns das für Paare aufschlüsseln:
Das Minimum: 3 Monate
Drei Monatsausgaben sind das Minimum. Das deckt die meisten kurzfristigen Notfälle ab: Jobverlust (die meisten finden innerhalb von 3 Monaten neue Arbeit), Autoreparaturen, Arztkosten, Hausreparaturen.
So berechnest du es: Addiere eure monatlichen Fixkosten - Miete, Nebenkosten, Lebensmittel, Versicherungen, Mindestschuldenzahlungen, Transport. Multipliziere mit 3.
Der Wohlfühlbereich: 6 Monate
Sechs Monate geben euch Luft zum Atmen. Ihr könnt euch Zeit nehmen, den richtigen Job zu finden, nicht einfach irgendeinen. Ihr könnt mehrere gleichzeitig auftretende Notfälle bewältigen.
Strebt 6 Monate an, wenn:
- Einer oder beide von euch variables Einkommen haben
- Ihr in einer unsicheren Branche arbeitet
- Ihr ein Haus besitzt (mehr kann kaputt gehen)
- Ihr Kinder oder andere Abhängige habt
Der konservative Weg: 12 Monate
Ein ganzes Jahr Ausgaben ist ambitioniert, aber für bestimmte Situationen klug:
- Ein Partner ist selbständig oder Freelancer
- Ihr plant einen großen Lebensübergang (Kinder, Karrierewechsel)
- Beide Einkommen sind unsicher
- Ihr wollt maximale Seelenruhe
Ein praktisches Beispiel
Nehmen wir an, eure monatlichen Fixkosten betragen 3.000 EUR:
- 3-Monats-Rücklage: 9.000 EUR
- 6-Monats-Rücklage: 18.000 EUR
- 12-Monats-Rücklage: 36.000 EUR
Lass dich von der großen Zahl nicht einschüchtern. Das Ziel ist anzufangen, nicht sofort fertig zu werden.
Wo solltet ihr den Notgroschen aufbewahren?
Euer Notgroschen muss:
- Zugänglich sein: Ihr könnt das Geld innerhalb von 1-2 Tagen bekommen
- Sicher sein: Der Wert sinkt nicht genau dann, wenn ihr es braucht
- Getrennt sein: Nicht mit dem normalen Girokonto vermischt
Gute Optionen:
- Tagesgeldkonto mit guten Zinsen: Das Beste aus beiden Welten - zugänglich und verdient etwas Zinsen. Viele Direktbanken bieten höhere Zinsen als traditionelle Banken.
- Separates Sparkonto: Ähnlich wie Tagesgeld, manchmal mit leicht höheren Zinsen.
- Separates Girokonto: Am zugänglichsten, aber keine Zinsen. Gut für die "ersten 1.000 EUR" Portion.
Für Notgroschen vermeiden:
- Aktien oder Investmentkonten: Wert kann genau dann fallen, wenn ihr das Geld braucht
- Rentenkonten: Strafen bei vorzeitiger Auszahlung
- Euer normales Girokonto: Zu leicht "aus Versehen" ausgegeben
Gemeinsamer oder getrennter Notgroschen?
Das hängt davon ab, wie ihr allgemein mit Geld umgeht. Optionen:
Vollständig gemeinsam: Ein geteilter Notgroschen, auf den beide Partner zugreifen können. Am besten für Paare, die alle Finanzen teilen und gemeinsam entscheiden.
Teilweise gemeinsam: Ein gemeinsamer Notgroschen für Haushaltsnotfälle, plus kleinere individuelle Rücklagen für persönliche Notfälle (Autoreparaturen für eure getrennten Autos, etc.).
Getrennt mit Kommunikation: Jeder Partner hält seine eigene Notfallreserve, aber ihr koordiniert Beträge und Nutzung. Funktioniert für Paare, die Finanzen meist getrennt halten.
Es gibt keine richtige Antwort. Der Schlüssel ist, den Ansatz gemeinsam zu vereinbaren.
Schritt für Schritt: Gemeinsam aufbauen
Schritt 1: Berechnet euer Ziel
Setzt euch zusammen und listet eure monatlichen Fixkosten auf. Nutzt eine Budget-App wie GoodShare, um echte Zahlen aus eurer Ausgabenhistorie zu ziehen - das ist genauer als Schätzen.
Einigt euch, ob ihr auf 3, 6 oder 12 Monate zielt.
Schritt 2: Startet mit einem "Starter"-Notgroschen
Bevor ihr den vollen Betrag aufbaut, legt schnell 1.000-2.000 EUR zurück. Das deckt kleinere Notfälle ab, während ihr am größeren Ziel arbeitet. Es gibt euch auch einen schnellen Erfolg.
Schritt 3: Automatisiert die Beiträge
Richtet automatische Überweisungen von eurem Girokonto zum Notgroschen-Konto ein. Macht das direkt nach dem Gehalt, bevor ihr das Geld für andere Dinge ausgeben könnt.
Beispiel: Wenn ihr 6.000 EUR in einem Jahr sparen wollt, sind das 500 EUR pro Monat oder 250 EUR pro Gehaltseingang (bei zweimal monatlich).
Schritt 4: Beschleunigt wenn möglich
Beschleunigt euer Sparen mit "Bonus"-Geld:
- Steuerrückzahlungen
- Arbeitsboni
- Geburtstagsgeschenke
- Verkauf ungenutzter Gegenstände
- Monate, in denen ihr unter Budget bleibt
Vereinbart als Paar: "50% von allem Bonus-Geld geht in den Notgroschen, bis wir unser Ziel erreicht haben."
Schritt 5: Verfolgt euren Fortschritt
Zu beobachten, wie euer Notgroschen wächst, ist motivierend. Checkt monatlich als Paar ein. Feiert Meilensteine (erste 1.000 EUR, Halbzeit, Ziel erreicht!).
Definiert, was als Notfall zählt
Das ist entscheidend. Ohne eine gemeinsame Definition werdet ihr bei jeder Abhebung streiten.
IST ein Notfall:
- Jobverlust oder signifikante Einkommensreduzierung
- Medizinische Ausgaben, die nicht von der Versicherung gedeckt sind
- Notwendige Auto- oder Hausreparaturen (das Auto startet nicht, das Dach ist undicht)
- Unerwartete Reise wegen Familiennotfall
Ist KEIN Notfall:
- Ein tolles Angebot für etwas, das ihr wollt
- Vorhersehbare Ausgaben, die ihr vergessen habt einzuplanen (KFZ-Steuer, jährliche Versicherung)
- Upgrades (neues Handy, obwohl eures noch funktioniert, neueres Auto, obwohl eures noch läuft)
- Urlaube (auch "Last-Minute-Angebote")
Schreibt eure Definition auf. Wenn eine Situation entsteht, könnt ihr sie gegen eure vereinbarten Kriterien prüfen, statt im Moment zu debattieren.
Regeln fürs Anzapfen
Vereinbart einen Prozess, bevor ihr den Notgroschen braucht:
- Beide Partner stimmen zu: Keine einseitigen Abhebungen (außer vielleicht für kleine Beträge, wie unter 200 EUR)
- Zuerst Alternativen prüfen: Können wir das aus dem regulären Budget stemmen? Können wir stattdessen geplante Ersparnisse nutzen?
- Rückzahlung planen: Bevor ihr abhebt, vereinbart, wie ihr den Notgroschen wieder aufbaut
Nach der Nutzung: Wiederaufbauen
Euren Notgroschen zu nutzen ist kein Versagen - es ist genau das, wofür er da ist. Aber ihr müsst ihn wieder aufbauen:
- Startet sofort die automatischen Einzahlungen neu
- Erwägt, den Betrag vorübergehend zu erhöhen, bis ihr wieder beim Ziel seid
- Sucht nach Extra-Geld zum Beschleunigen (Nebenjobs, Sachen verkaufen, temporäre Ausgaben kürzen)
Der Wiederaufbau sollte Priorität haben. Der nächste Notfall wartet nicht, bis ihr bereit seid.
Häufige Fehler, die Paare machen
- Zu zugänglich aufbewahren: Wenn es auf eurem normalen Girokonto liegt, werdet ihr es ausgeben. Nutzt ein separates Konto.
- Keine Regeln vorab vereinbaren: Definiert "Notfall" und den Abhebungsprozess, bevor ihr ihn braucht.
- Nur ein Partner besitzt ihn: Beide Partner sollten vom Notgroschen wissen, dazu beitragen und Zugang haben.
- Investieren: Notgroschen sollten nicht am Aktienmarkt sein.
- Nicht an Lebensveränderungen anpassen: Neuer Job? Baby bekommen? Euer Zielbetrag muss vielleicht aktualisiert werden.
Das Wichtigste
Ein Notgroschen ist der finanzielle Stoßdämpfer eurer Beziehung. Er verwandelt potenzielle Krisen in handhabbare Unannehmlichkeiten. Gemeinsam einen aufzubauen, stärkt sowohl eure Finanzen als auch eure Partnerschaft.
Fangt heute an. Selbst 50 EUR pro Monat sind ein Anfang. Automatisiert es. Schaut zu, wie es wächst. Und wenn das Leben etwas Unerwartetes auf euch wirft, seid ihr bereit - zusammen.
"Ein Notgroschen schützt nicht nur euer Geld. Er schützt euren Seelenfrieden und eure Partnerschaft."
Verfolgt euren Fortschritt zusammen
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