100 Euro im Monat ins Altersvorsorgedepot – was kommt da nach 30 Jahren raus? Die kurze Antwort: etwa 112.000 Euro brutto, rund 87.000 Euro netto. Bei 36.000 Euro Eigenbeitrag macht das ein Plus von ~140 Prozent – durch staatliche Zulagen und Zinseszins.
Dieser Artikel zeigt die komplette Rechnung Jahr für Jahr, vergleicht das Ergebnis mit einem freien ETF-Sparplan und erklärt, wo das Geld eigentlich herkommt.
Die Annahmen im Detail
Damit die Rechnung nachvollziehbar ist, hier alle Parameter:
- Monatliche Einzahlung: 100 Euro (1.200 Euro/Jahr)
- Laufzeit: 30 Jahre (z. B. von 37 bis 67)
- Renditeerwartung: 6 % p.a. brutto (typisch für globalen Aktien-ETF)
- Depotkosten: 1,0 % p.a. (gesetzlicher Kostendeckel)
- Steuersatz Ansparphase: 30 % (mittleres Einkommen)
- Steuersatz Rente: 22 % (typisch nachgelagert)
- Kinder: keine (für klares Vergleichs-Beispiel)
Der MSCI World hat in den letzten 30 Jahren durchschnittlich 7,5 % p.a. erwirtschaftet. Wir rechnen konservativ mit 6 %, um Inflation und Rebalancing-Verluste mit einzupreisen. Das ist eine Annahme – Vergangenheitsperformance ist keine Garantie für die Zukunft.
Die Rechnung Schritt für Schritt
Schritt 1: Grundzulage berechnen
Bei 1.200 Euro Jahreseinzahlung greift die Förderlogik zweistufig:
- Erste 360 Euro × 50 % = 180 Euro
- Nächste 840 Euro × 25 % = 210 Euro
- Gesamt-Grundzulage pro Jahr: 390 Euro
Über 30 Jahre macht das 11.700 Euro reine Förderung – noch bevor irgendein Zinseszins entsteht.
Schritt 2: Depotkapital aufbauen
Pro Monat fließen rund 132,50 Euro ins Depot (100 Euro Eigenbeitrag + 32,50 Euro Zulage anteilig). Bei 6 % Bruttorendite minus 1 % Kosten = 5 % Netto-Rendite, monatlich kompoundend:
| Nach | Einzahlungen | Zulagen | Depot-Brutto |
|---|---|---|---|
| 5 Jahren | 6.000 € | 1.950 € | ~9.000 € |
| 10 Jahren | 12.000 € | 3.900 € | ~20.600 € |
| 15 Jahren | 18.000 € | 5.850 € | ~35.700 € |
| 20 Jahren | 24.000 € | 7.800 € | ~55.300 € |
| 25 Jahren | 30.000 € | 9.750 € | ~80.500 € |
| 30 Jahren | 36.000 € | 11.700 € | ~112.000 € |
Beachte den Hockey-Stick: In den ersten 10 Jahren wächst das Depot vor allem durch Einzahlungen, danach übernimmt der Zinseszins. Allein zwischen Jahr 25 und 30 kommen rund 31.500 Euro dazu – mehr als die gesamte Einzahlung dieser 5 Jahre (6.000 Euro).
Schritt 3: Rentensteuer
Bei der Auszahlung wird das volle Depot mit dem persönlichen Steuersatz versteuert – und der ist im Ruhestand meist niedriger als in der Erwerbsphase. Mit 22 % bleiben von 112.000 Euro brutto rund 87.000 Euro netto.
Vergleich: AVD vs. freier ETF-Sparplan
Was wäre, wenn dieselben 100 Euro/Monat in einen klassischen ETF-Sparplan (z. B. MSCI World, 0,2 % TER) geflossen wären? Hier die Gegenüberstellung:
| Position | Altersvorsorgedepot | Freier ETF-Sparplan |
|---|---|---|
| Eigenbeitrag (30 Jahre) | 36.000 € | 36.000 € |
| Staatliche Zulagen | + 11.700 € | 0 € |
| Effektive Kosten | 1,0 % | 0,2 % |
| Depot-Brutto nach 30 J. | ~112.000 € | ~95.000 € |
| Steuer auf Auszahlung | − 25.000 € (22 %) | − 15.000 € (Vorab + Exit) |
| Netto-Endkapital | ~87.000 € | ~80.000 € |
Das AVD bringt rund 7.000 Euro mehr – trotz höherer Kosten. Der Grund: Die 11.700 Euro Zulagen wirken über 30 Jahre als zusätzliches Investment-Kapital und sind selbst Teil des Zinseszins-Effekts.
Bei zwei Kindern unter 18 kommen zusätzlich 600 €/Jahr Kinderzulage dazu – das sind über 30 Jahre weitere 18.000 €. Das AVD-Netto steigt auf rund 100.000 €.
Grenzen der Rechnung
Drei wichtige Einschränkungen:
- Renditeannahmen sind keine Garantie. Bei 4 % statt 6 % Rendite landest du eher bei 75.000 € brutto. Wer auf Nummer sicher gehen will, rechnet mit dem Bandbreitenrechner.
- Verfügbarkeit erst ab 65. Wer vor 65 an das Geld muss, zahlt alle Zulagen und Steuervorteile zurück. Das AVD ist Altersvorsorge, kein Notgroschen.
- Steuersatz im Ruhestand variabel. Wer hohe Pensions- oder Mieteinkünfte hat, zahlt mehr nachgelagert. In dem Fall schrumpft der Vorteil des AVD.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel kommt bei 100 Euro AVD-Sparplan nach 30 Jahren raus?
Bei 6 % p.a. Rendite, 1 % Kosten und voller Grundzulage rund 112.000 Euro brutto. Nach Rentensteuer (22 %) bleiben etwa 87.000 Euro netto – bei 36.000 Euro Eigenbeitrag plus 11.700 Euro staatliche Zulagen.
Wie hoch ist die Grundzulage bei 100 Euro/Monat?
390 Euro pro Jahr. 50 Prozent auf die ersten 360 Euro Einzahlung = 180 Euro, plus 25 Prozent auf die nächsten 840 Euro = 210 Euro. Über 30 Jahre summiert sich das auf 11.700 Euro reine Förderung – noch ohne Renditeeffekt.
Ist 100 Euro/Monat ins AVD besser als 100 Euro in einen ETF?
Bei mittlerem Steuersatz und langer Laufzeit fast immer ja. Nach 30 Jahren liefert das AVD rund 87.000 Euro netto, der freie ETF (0,2 % TER) etwa 80.000 Euro. Differenz: ~7.000 Euro – plus zusätzliche Steuerersparnis bei Steuersatz über 32 Prozent durch die Günstigerprüfung.
Soll ich mehr als 100 Euro einzahlen?
Bis 150 Euro/Monat (1.800 Euro/Jahr) lohnt sich jeder zusätzliche Euro – dort wird die maximale Grundzulage von 540 Euro/Jahr erreicht. Über 150 Euro hinaus gibt es keine zusätzliche Zulage mehr, aber die Steuerstundung greift weiter. Maximum pro Vertrag: 6.840 Euro/Jahr (570 Euro/Monat).
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