Rund 15 Millionen Riester-Verträge sind in Deutschland aktiv – und ihre Inhaber stellen sich seit dem Bundesratsbeschluss vom 8. Mai 2026 dieselbe Frage: Soll ich ins neue Altersvorsorgedepot wechseln? Die Antwort hängt stark von der Vertragsart, der Restlaufzeit und der persönlichen Situation ab.
Dieser Artikel zeigt drei konkrete Personas mit klarer Empfehlung, erklärt die Wechsel-Mechanik und nennt die Fälle, in denen Bestandskunden besser bei Riester bleiben.
Was passiert mit Riester-Verträgen ab 2027?
Zuerst die gute Nachricht für Bestandskunden:
- Keine automatische Kündigung. Alle bestehenden Riester-Verträge laufen unverändert weiter.
- Bisherige Zulagen bleiben. Alles, was schon ausgezahlt wurde, ist sicher.
- Weiter besparen möglich. Du kannst auch nach 2027 weiter einzahlen und Zulagen kassieren.
- Keine Neuabschlüsse. Ab 1. Januar 2027 können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden.
Der Gesetzgeber hat parallel eine Übertragungsmöglichkeit ins AVD vorgesehen. Details werden 2026/2027 per Rechtsverordnung geregelt – der grundsätzliche Mechanismus ist aber steuerneutral: Guthaben + bisherige Zulagen werden ins neue Depot überführt.
Eine reguläre Kündigung mit Auszahlung gilt als schädliche Verwendung – du musst alle Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Nur die formale Übertragung in einen anderen geförderten Vertrag (alt-Riester oder neues AVD) ist unschädlich.
Vergleich der Förderbedingungen
| Merkmal | Riester-Rente (alt) | Altersvorsorgedepot (neu) |
|---|---|---|
| Grundzulage/Jahr | 175 € | bis 540 € |
| Kinderzulage | 300 € (185 € vor 2008) | 300 € |
| Sonderausgabenabzug | bis 2.100 € | bis 1.800 € |
| Beitragsgarantie | 100 % | Keine |
| Aktienquote | Meist 20–50 % | bis 100 % |
| Kostenstruktur | Oft 1,5–2,5 % p.a. | max. 1,0 % (gesetzlich) |
| Selbstständige | Nicht direkt förderberechtigt | Förderberechtigt |
| Auszahlung | Lebenslange Rente | Rente, Zeitrente oder Auszahlplan |
Auf dem Papier wirkt das AVD klar überlegen – höhere Grundzulage, keine Beitragsgarantie, voller Aktien-ETF-Zugang, niedrigerer Kostendeckel. Ob sich der Wechsel aber konkret lohnt, hängt vom Vertragstyp ab.
Drei Personas: Wechseln oder bleiben?
Anna (35), klassische Riester-Versicherung, 30 Jahre Restlaufzeit
Anna hat 2015 eine fondsgebundene Riester-Versicherung abgeschlossen, Effektivkosten ca. 1,8 %, aktuelle Aktienquote 35 %. Sie zahlt 100 €/Monat ein und erhält 175 € Grundzulage + 1 Kinderzulage 300 €.
Empfehlung: Wechsel ins AVD prüfen. Bei 30 Jahren Restlaufzeit fallen ihr die hohen Kosten massiv ins Gewicht. Die AVD-Grundzulage von 390 € (bei 100 €/Mon.) ist mehr als doppelt so hoch wie aktuell. Dazu: höhere Aktienquote = höhere Renditechance. Über 30 Jahre Differenz: schätzungsweise +18.000 € Endkapital.
Thomas (58), Banksparplan mit hohem Zinssatz, 9 Jahre Restlaufzeit
Thomas hat 2003 einen Riester-Banksparplan abgeschlossen mit garantiertem Zins von 4 %. Aktuelle Marktzinsen liegen bei 2,5 %. Er zahlt 1.946 €/Jahr ein und erhält volle 175 € Grundzulage + 0 Kinderzulagen.
Empfehlung: Riester behalten. Der garantierte Altzins ist unschlagbar – kein neues Produkt am Markt liefert das. Plus: 9 Jahre Restlaufzeit reichen nicht, um die AVD-Wechselkosten und das Aktienmarktrisiko zu verdauen.
Katja (42), Wohn-Riester mit laufendem Tilgungszuschuss
Katja nutzt Wohn-Riester für ihre Eigentumswohnung – die Zulagen fließen direkt in die Tilgung. Sie hat noch 8 Jahre bis zur Volltilgung.
Empfehlung: definitiv Wohn-Riester behalten. Der Tilgungszuschuss spart laufend Zinsen, die Förderung wirkt unmittelbar. AVD ist hier kein direkter Ersatz, weil es kein Immobilien-Vehikel ist. Wenn Katja zusätzlich Altersvorsorge will, kann sie parallel ein AVD eröffnen.
Wann sich ein Wechsel lohnt
Die Faustregeln:
- Klassische Riester-Versicherung mit Effektivkosten über 1,5 % + Restlaufzeit über 15 Jahre → Wechsel prüfen.
- Riester-Fondssparplan mit niedriger Aktienquote + Wunsch nach mehr Aktienexposure → Wechsel lohnt sich meist.
- Riester ist beitragsfrei gestellt → Übertragung simpel, weil keine laufenden Beiträge zu wechseln sind.
Wann du Riester behalten solltest
- Wohn-Riester mit laufender Tilgung.
- Banksparplan mit Altzins über 3 %.
- Riester-Versicherung mit niedrigen Kosten und gutem Garantiezins (vor 2008 abgeschlossen).
- Restlaufzeit unter 10 Jahre – Wechsel lohnt sich nicht mehr.
Wer seinen Riester-Vertrag kündigt, statt ihn zu übertragen, verliert alle Zulagen und Steuervorteile rückwirkend. Bei 10 Jahren Riester-Sparen können das schnell 5.000–10.000 € sein. Warte auf die Übertragungsverordnung 2027.
Wie der Wechsel technisch funktioniert
Stand Mai 2026 ist die Übertragungsverordnung noch nicht final. Der grundsätzliche Ablauf ist im Reformgesetz vorgezeichnet:
- AVD eröffnen bei einem zertifizierten Anbieter (ab 1. Januar 2027 möglich).
- Übertragungsantrag beim alten Riester-Anbieter stellen.
- Guthaben + Zulagen-Historie werden steuerneutral ins AVD übertragen.
- Bisheriger Riester-Vertrag wird beendet.
Wichtig: Es gibt keine Frist. Du kannst auch 2030 oder später wechseln. Empfehlung: erst die Anbieter-Konditionen vergleichen (Scalable, Trade Republic, ING, DKB etc.), dann entscheiden.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich meinen Riester-Vertrag ab 2027 kündigen?
Nein. Bestehende Riester-Verträge laufen unverändert weiter – inklusive bisheriger Zulagen und Steuervorteile. Es gibt keinen Zwang zum Wechsel. Ab 2027 können nur keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden; das Altersvorsorgedepot ersetzt den Riester-Neuabschluss.
Kann ich mein Riester-Guthaben ins AVD übertragen?
Ja, das Reformgesetz sieht eine Übertragungsmöglichkeit vor. Details werden per Verordnung 2026/2027 geregelt. Der Übertrag erfolgt steuerneutral – allerdings bringt er nur Vorteile, wenn die AVD-Renditechancen die Riester-Garantien überwiegen.
Lohnt sich ein Wechsel ins AVD für mich?
Wechsel sinnvoll bei: hoher Restlaufzeit (>15 Jahre), klassischer Riester-Versicherung mit Kosten über 1,5 %, Wunsch nach höherer Aktienquote. Wechsel meiden bei: Wohn-Riester mit laufender Tilgungszuschuss-Phase, Banksparplan mit hohem Zinssatz, kurzer Restlaufzeit (<10 Jahre).
Was passiert mit den bereits erhaltenen Riester-Zulagen?
Bei Übertragung ins AVD bleiben die bisherigen Zulagen und Steuervorteile erhalten – sie werden Teil des AVD-Guthabens. Bei Kündigung ohne Übertragung müssen alle Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden (sogenannte schädliche Verwendung).
Ist die AVD-Förderung höher als Riester?
Die Grundzulage ist mit 540 Euro/Jahr deutlich höher als bei Riester (175 Euro). Die Kinderzulage von 300 Euro/Kind/Jahr ist identisch. Der größte Unterschied: AVD erlaubt 100 % Aktien-ETF-Anlage; Riester verlangt eine Beitragsgarantie, die meist eine niedrige Aktienquote erzwingt.
Vergleiche AVD und Riester konkret
Der AVD-Rechner zeigt dir das Endkapital deines neuen Altersvorsorgedepots – vergleichbar mit deinem bisherigen Riester-Vertrag. So entscheidest du fundiert.
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