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Altersvorsorge

Rentenlücke 2026 berechnen: So groß ist die Lücke – so schließt du sie

Die meisten Deutschen wissen, dass die gesetzliche Rente nicht reicht. Aber wie groß ist die Lücke wirklich? Und was müssen Sie monatlich zurücklegen, um sie zu schließen? Dieser Artikel zeigt die Mathematik hinter der Rentenlücke, drei konkrete Fallbeispiele mit Zahlen und einen kostenlosen Rechner, mit dem Sie Ihre persönliche Lücke in zwei Minuten berechnen können – inklusive Paar-Modus.

Was ist die Rentenlücke?

Die Rentenlücke – auch Versorgungslücke oder Altersvorsorge-Lücke genannt – ist die Differenz zwischen dem Netto-Einkommen, das Sie im Ruhestand monatlich brauchen (Wunschrente), und dem, was Sie aus gesetzlicher Rente + bestehender privater Vorsorge tatsächlich bekommen. Diese Lücke entsteht aus zwei gleichzeitigen Trends:

  • Sinkendes Rentenniveau: Politisch bis 2031 auf 48 % des Brutto-Durchschnittslohns festgeschrieben. Das ist weniger, als viele denken – und bezieht sich aufs Brutto, nicht aufs Netto.
  • Gestiegene Ansprüche: Im Ruhestand wollen die meisten 80 % ihres letzten Nettos, um den Lebensstandard zu halten. Die Differenz zwischen „48 % Brutto" und „80 % Netto" ist die strukturelle Lücke.

Die gute Nachricht: Wer die Lücke früh kennt, kann sie systematisch schließen. Wer 30 Jahre Zeit hat, braucht deutlich weniger Sparrate als jemand, der mit 50 anfängt – dank Zinseszins.

Kurz definiert: Rentenlücke = Wunschrente netto − gesetzliche Rente netto − bestehende private Vorsorge. Das Ziel: Diese Lücke durch einen Sparplan zu füllen.

Wie berechnet man die Rentenlücke?

In drei Schritten:

  1. Gesetzliche Rente brutto schätzen – per Entgeltpunkte-Formel oder aus der Renteninformation.
  2. Netto-Rente ableiten – Besteuerungsanteil + KV/PV abziehen.
  3. Wunschrente festlegen – 80-%-Regel oder eigener Betrag.

Die Entgeltpunkte-Formel (Schritt 1)

Die gesetzliche Rente basiert auf Entgeltpunkten (EP). Die Formel ist simpel:

Brutto-Rente/Monat = (Jahresbrutto ÷ Durchschnittsentgelt × Beitragsjahre) × Rentenwert

Mit den Werten 2026 eingesetzt:

  • Durchschnittsentgelt: 50.493 €/Jahr
  • Rentenwert: 40,79 € (Prognose Juli 2026, West)
  • BBG-Kappung: Einkommen über 101.400 €/Jahr erzeugen keine zusätzlichen EP
  • Zusatz-EP: 3 EP pro Kind nach 1992 (§56 SGB VI)

Beispiel: 35 Jahre Durchschnittsgehalt + 2 Kinder = (1 EP × 35) + 6 EP = 41 EP × 40,79 € = 1.672 € Brutto-Rente.

Von Brutto zu Netto (Schritt 2)

Nach §22 Nr. 1a EStG ist die Rente nicht voll steuerfrei, aber auch nicht voll steuerpflichtig – sondern nach dem Kohortenprinzip gestaffelt:

RentenbeginnjahrSteuerpflichtiger AnteilRentenfreibetrag (lebenslang)
202684 %16 %
203089 %11 %
204094 %6 %
2058+100 %0 %

Zusätzlich fallen KV (8,75 %) + PV (3,6 %) = ca. 12,35 % der Brutto-Rente an. Für unser Beispiel von 1.672 € Brutto ergibt das:

  • KV/PV: 1.672 × 12,35 % ≈ 207 €
  • Steuerpflichtig: 1.672 × 84 % = 1.404 €/Mon. = 16.853 €/Jahr
  • Steuer bei alleinstehend, keine andere Einkünfte: ~650 €/Jahr = ~54 €/Mon.
  • Netto-Rente: 1.672 − 207 − 54 = ca. 1.411 €/Mon.

Die 80-%-Wunschrente (Schritt 3)

Die 80-%-Regel besagt: Im Ruhestand reichen 80 % des letzten Nettos. Begründung:

  • Arbeitsbezogene Kosten entfallen: Pendeln, Berufskleidung, Mittagessen, ggf. Zweitwohnung.
  • Sparraten entfallen: Wer 10 % fürs Alter spart, braucht diese 10 % im Alter nicht mehr.
  • Geringere Sozialabgaben: Keine RV/AL-Beiträge mehr, nur noch KV/PV.

Alternativ können Sie auch einen eigenen Wunschbetrag definieren – wer viel reist oder Kinder noch im Studium hat, rechnet oft mit 100 %. Wer minimalistisch lebt und die Immobilie abbezahlt hat, kommt mit 60 % aus.

3 Fallbeispiele mit Zahlen

Fallstudie 1 – Anna, 30 Jahre, Grafikdesignerin
  • Brutto: 3.200 €/Mon. · 37 Beitragsjahre · 0 Kinder · Renteneintritt mit 67
  • Gesetzliche Rente brutto: ~1.150 €/Mon. (37 Jahre × 0,76 EP × 40,79 €)
  • Netto-Rente: ~1.010 €/Mon. (nach 84 % Besteuerung + 12,35 % KV/PV)
  • Aktuelles Netto: ~2.180 €/Mon. → 80-%-Wunschrente: 1.744 €/Mon.
  • Rentenlücke heute: 734 €/Mon.
  • Zielkapital (25 J. Kapitalverzehr, 4 % real): ca. 138.000 €
  • Nötige Sparrate über 37 Jahre: ca. 135 €/Mon.
Fazit: Anna hat dank Zinseszins viel Zeit. Mit 135 €/Mon. – etwa ein Netflix-Family-Abo plus Fitness-Studio – schließt sie ihre Lücke komfortabel.
Fallstudie 2 – Markus, 40 Jahre, Ingenieur mit Familie
  • Brutto: 5.500 €/Mon. · verheiratet (Splitting) · 40 Beitragsjahre · 2 Kinder · Renteneintritt 67
  • Gesetzliche Rente brutto: ~1.915 €/Mon. (40 Jahre × 1,31 EP + 6 Kinder-EP × 40,79 €)
  • Netto-Rente: ~1.600 €/Mon. (mit Splitting)
  • Aktuelles Familien-Netto: ~3.350 €/Mon. → 80-%-Wunsch: 2.680 €/Mon.
  • Rentenlücke heute: 1.080 €/Mon.
  • Zielkapital (25 J. Kapitalverzehr, 4 % real): ca. 203.000 €
  • Nötige Sparrate über 27 Jahre: ca. 370 €/Mon.
Fazit: Markus braucht strukturelle Sparplanung. 370 €/Mon. sind relevant, aber machbar – besonders wenn er bAV-Arbeitgeberzuschuss (15 %) kombiniert und das ab 2027 startende AVD mit Zulagen nutzt.
Fallstudie 3 – Sabine, 55 Jahre, selbstständige Therapeutin
  • Brutto: 4.500 €/Mon. · 10 Jahre Vor-Selbstständigkeit (0,89 EP/J.) · 1 Kind · Renteneintritt 67
  • Gesetzliche Rente brutto: ~480 €/Mon. (geringe Anwartschaft – das Selbstständigen-Problem)
  • Netto-Rente: ~420 €/Mon.
  • Aktuelles Netto: ~2.800 €/Mon. → 80-%-Wunsch: 2.240 €/Mon.
  • Rentenlücke heute: 1.820 €/Mon.
  • Zielkapital (25 J. Kapitalverzehr, 4 % real): ca. 341.000 €
  • Nötige Sparrate über 12 Jahre: ca. 1.790 €/Mon.
Fazit: Sabine trifft das „Spät-aufgewacht-Problem". 1.790 €/Mon. sind bei 4.500 € Brutto unrealistisch. Ausweg: niedrigere Wunschrente akzeptieren (60 % = 1.200 € / Rate senkt sich auf ~960 €/Mon.), länger arbeiten (bis 70) oder Immobilie als Baustein einplanen.

Wie schließt man die Rentenlücke?

Es gibt drei strukturelle Wege, die sich meist kombinieren lassen:

Weg 1: ETF-Sparplan aus dem Netto

Der flexibelste und kostengünstigste Weg. Ein Welt-ETF mit TER 0,1–0,3 % hat historisch 6–8 % nominale Rendite abgeworfen (Inflation bereinigt: 4–5 %). Kein Abschlag, keine Bindung, jederzeit verfügbar, Teilfreistellung 30 % auf Kursgewinne. Genaue Planung mit unserem Sparrechner mit Zinseszins.

Weg 2: Betriebliche Altersvorsorge (bAV)

Für Arbeitnehmer oft die effizienteste Ergänzung. Die Entgeltumwandlung bringt drei Vorteile: 15 % Pflicht-Arbeitgeberzuschuss (§1a Abs. 1a BetrAVG), Steuerfreiheit bis 8 % BBG und SV-Freiheit bis 4 % BBG. Dafür fällt die Rente später in der Auszahlungsphase unter KV/PV (Doppelverbeitragung). Ob sich die bAV für Sie lohnt, zeigt der bAV-Rechner – und vertiefend der Blog-Artikel „Lohnt sich die bAV? 3 Fallbeispiele".

Weg 3: Altersvorsorgedepot (AVD) ab 2027

Das Klingbeil-Depot ist die größte Reform der privaten Altersvorsorge seit Riester. Ab 2027 gibt es staatliche Zulagen auf ETF-Sparpläne innerhalb eines speziellen Depots – mit Günstigerprüfung gegen den normalen Steuervorteil. Für Selbstständige wie Sabine und Geringverdiener besonders interessant. Vergleich mit einem normalen Depot im AVD-Rechner.

Die 5 häufigsten Fehler bei der Rentenlücken-Planung

  1. Inflation ignorieren. 1.000 € heute entsprechen in 30 Jahren bei 2 % Inflation nur ~552 €. Wer nominal rechnet, unterschätzt die Lücke massiv.
  2. Brutto statt Netto vergleichen. Die Brutto-Rente ist nicht das, was ankommt – 84 % Besteuerungsanteil + 12,35 % KV/PV ziehen spürbar ab.
  3. Eckrentner-Falle. Statistiken zeigen oft die Standardrente (45 Beitragsjahre Durchschnittsverdiener). Real erreichen nur wenige diese Biografie. Teilzeit, Studium, Kindererziehung reduzieren die EP-Summe.
  4. Kein Kapitalverzehr-Plan. Wer ein Zielkapital aufbaut, muss entscheiden, ob es in der Rente verzehrt wird oder erhalten bleibt. Beides führt zu stark unterschiedlichen Zielbeträgen.
  5. Frühes Sparen unterschätzen. Der Zinseszins ist exponentiell. 100 €/Mon. ab 25 ergibt bei 5 % real mehr als 200 €/Mon. ab 45 – bei gleichem Endergebnis.

Paar-Modus: Gemeinsame Rentenlücke berechnen

Innerhalb von Paaren ist die Rentenlücke oft sehr ungleich verteilt. Der Gender Pension Gap beträgt in Deutschland 27 %: Frauen bekommen im Schnitt 27 % weniger gesetzliche Rente als Männer (DRV Statistik 2024). Ursachen: Gender Pay Gap, Teilzeitquote, Erziehungszeiten, unterbrochene Erwerbsbiografien.

Für Paare empfiehlt sich deshalb die gemeinsame Planung: Wer weniger einzahlt, braucht einen größeren privaten Puffer. Der Rentenlücken-Rechner hat einen Paar-Modus, der beide Personen getrennt berechnet, Ehegattensplitting anwendet und die Haushalts-Lücke addiert.

Fazit: Rechnen schlägt Hoffen

Die Rentenlücke ist kein abstraktes Konzept, sondern eine konkrete Zahl in Euro. Wer sie kennt, kann handeln:

  • Unter 30: Kleine Sparraten (100–200 €/Mon.) reichen dank Zinseszins aus. Früh anfangen ist der wichtigste Hebel.
  • 30–45: Strukturelle Planung mit bAV + ETF + AVD. 300–500 €/Mon. sind typisch.
  • 45+: Realismus ist gefragt. Höhere Sparraten, niedrigere Wunschrente, länger arbeiten – oder Kombination. Die Immobilie als vierter Baustein gewinnt an Bedeutung.

Der nächste Schritt: Die eigene Lücke ausrechnen. Im Rechner oben dauert das zwei Minuten, und Sie bekommen neben der Lücke auch direkt die konkrete monatliche Sparrate.

Häufige Fragen zur Rentenlücke

In drei Schritten: (1) Schätze deine gesetzliche Rente – entweder per Entgeltpunkte-Formel (Brutto ÷ 50.493 € Durchschnittsentgelt × Beitragsjahre × 40,79 € Rentenwert) oder aus deiner DRV-Renteninformation. (2) Berechne die Netto-Rente (Besteuerung + KV/PV abziehen). (3) Vergleiche mit deiner Wunschrente (meist 80 % des heutigen Nettos). Die Differenz ist deine Rentenlücke.

Typisch 600–1.000 €/Monat. Beispiel: 3.500 € Brutto, 35 Beitragsjahre, 0 Kinder → Brutto-Rente ~1.188 €, Netto-Rente ~1.040 €. Aktuelles Netto ca. 2.350 €, 80-%-Wunsch ~1.880 €. Lücke: ca. 840 €/Monat. Das entspricht einem Zielkapital von rund 157.000 € bei 25 Jahren Kapitalverzehr.

Je früher du startest, desto weniger. Bei 840 €/Monat Lücke und 4 % realer Rendite: Mit 32 Jahren Ansparzeit (Start mit 35) reichen ca. 210 €/Mon. Mit 20 Jahren Ansparzeit (Start mit 47) brauchst du bereits ~430 €/Mon., um dieselbe Lücke zu schließen.

Für die meisten ja. Arbeitsbezogene Kosten (Pendeln, Berufskleidung), höhere Sozialabgaben während der Erwerbsphase und die Sparrate selbst entfallen im Ruhestand. Dagegen können Gesundheits- und Pflegekosten steigen. Wer noch Kredite oder Kinder im Studium hat, braucht eher 100 %. Minimalisten kommen mit 60–70 % aus. Die Regel ist ein Ausgangspunkt, nicht absolut.

Drei Haupt-Wege, oft kombinierbar: (1) ETF-Sparplan aus dem Netto – flexibel, kostengünstig. (2) Betriebliche Altersvorsorge (bAV) – Pflicht-AG-Zuschuss 15 %, Steuer-/SV-Vorteile bis 4 % BBG. (3) Altersvorsorgedepot (AVD) ab 2027 – neue staatlich geförderte ETF-Altersvorsorge mit Zulagen. Früh starten überwiegt fast alle Produktentscheidungen.

Ja, und sie ist oft unterschiedlich verteilt – besonders bei Elternzeit, Teilzeit oder Gehaltsunterschieden. Der Paar-Modus im GoodShare-Rentenlücken-Rechner berechnet beide Personen getrennt, wendet Ehegattensplitting bei der Rentensteuer an und addiert die Haushalts-Lücke. So planst du die gemeinsame Altersvorsorge realistisch.

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